Wiederaufbau der Eifelstrecke nahezu abgeschlossen – Elektrifizierung bleibt herausfordernd
Die Wiederherstellung und der Ausbau der Eifelstrecke nach den schwersten Unwettern im Juli 2021 ist zuletzt ins Stocken geraten – so auch die Kommunikation der DB InfraGO als verantwortliches Infrastrukturunternehmen der Deutschen Bahn (DB). „Am Anfang des Wiederaufbaus hat es viele Informations-Veranstaltungen und lokale Gespräche der DB entlang der Eifelstrecke gegeben. Dann war der Informationsfluss ins Stocken geraten. Uns war es als Zweckverband Schienenpersonennahverkehr Rheinland-Pfalz Nord (SPNV-Nord) wichtig, den abgerissenen Gesprächsfaden wiederzubeleben. Es geht darum, ehrlich und transparent zu informieren und miteinander zu reden, auch wenn es Schwierigkeiten gibt“, erläutert Verbandsdirektor Thorsten Müller den Anlass für einen Informationsabend am 12. März 2025 in Gerolstein. Der SPNV-Nord ist Besteller und Organisator der Zugleistungen im Nahverkehr auf der Schiene im Norden von Rheinland-Pfalz.
Kommunikation mit der Region wieder verbessern
„Beim Wiederaufbau der Eifelstrecke wurden viele Termine gerissen. Immer kam etwas später. Und jetzt kommt ja noch die ersehnte Elektrifizierung, da ist der Frust in der Region über die andauernden Einschränkungen im Schienennahverkehr hoch. Über die Gründe und den Stand der aktuellen Planungen wurde am 12. März im ehemaligen Bahnbetriebswerk Gerolstein geredet, “ so Müller weiter.
Der SPNV-Nord hatte für den Termin rund 50 relevante Akteure in den Lokschuppen auf dem Gelände des ehemaligen Bahnbetriebswerks Gerolstein eingeladen, darunter die betroffenen kommunalen Mitglieder des SPNV-Nord (Landkreis Vulkaneifel, Eifelkreis Bitburg, Landkreis Trier-Saarburg und Stadt Trier), die hauptamtlichen Bürgermeister der Kommunen, Unternehmen, Fahrgastverbände und interessierte Vereine und Verbände. Thorsten Müller moderierte das Podium, auf dem Dennis Klees, Bereichsleiter Verkehrsmanagement des SPNV-Nord, sowie mit Christoph Michels, Gerd Bolte und Stefan Gleißner gleich drei Verantwortliche der DB-Infrastrukturgesellschaft DB InfraGO Rede und Antwort standen
Abschluss Wiederaufbau in Sichtweite
Die Verantwortlichen der DB InfraGO berichteten zunächst ausführlich über die Bauarbeiten, die weiterhin von Engpässen bei Material und Fachkräften geprägt sind. Zudem gingen sie auf den immer wieder gezogenen Vergleich mit dem schnelleren Auf-bau der Ahrtalstrecke ein. Die DB-Vertreter machten deutlich, dass die Eifelstrecke mit 164 km Streckenlänge, alter Stellwerkstechnik und noch herzustellender Voraussetzungen für eine Elektrifizierung vor einem erheblich höheren Bauvolumen stehe als das Ahrtal mit seiner Streckenlänge von 30 km.
Zu einem Großteil der Verzögerungen kam es durch mehrfach erfolglos gebliebene europaweite Ausschreibungen für einzelne Bauabschnitte. Auch habe eine geringere Leistungsfähigkeit einer beteiligten Baufirma zu Verzögerungen geführt.
Mittlerweile sei der Großteil des Wiederaufbaus geschafft und werde bis Ende September 2025 mit der vollständigen Inbetriebnahme des elektronischen Stellwerks (ESTW) Gerolstein abgeschlossen. Für das elektronische Stellwerk Gerolstein rechnet die DB InfraGO mit dem 15. Juni 2025 als Termin der Inbetriebnahme für den Streckenab-schnitt Gerolstein – Nettersheim und mit dem 30. September 2025 für den Strecken-abschnitt Bitburg-Erdorf – Gerolstein. Seit dem 31. März ist der Streckenabschnitt Trier-Ehrang – Bitburg-Ehrdorf in Betrieb.
Herausforderung Elektrifizierung
Die Kritik vieler Teilnehmende betraf die noch lange Baudauer der Oberleitungsarbeiten und der damit verbundenen Sperrungen. Eine durchgehende Befahrbarkeit erst nach 2028 sei einfach zu lang, so der Tenor der Anwesenden.
Aufgrund der restlichen stufenweisen Arbeiten der Elektrifizierung gebe es leider weiterhin große Sperrpausen, so die DB. „Alle Beteiligten waren sich einig, dass mit dem Wiederaufbau gleichzeitig die Chance genutzt werden sollte, die Eifelstrecke durch die Elektrifizierung zukunftsfähig zu machen. Dass es auch durch diese Entscheidung zu solchen Verzögerungen gekommen ist, war zu Beginn der Planungen nicht abzusehen“, so Gerd Bolte. „Auch uns ist es ein großes Anliegen, mit der Eifelstrecke möglichst schnell fertig zu werden.“
Mit dem Abschluss der gesamten Elektrifizierung der Eifelstrecke rechnet die DB InfraGO im Jahresverlauf 2028. Insbesondere drei in Rheinland-Pfalz trotz mehrfacher Ausschreibung noch nicht vergebene Lose zur Elektrifizierung (jeweils Streckenabschnitte von 16 bis 20 Kilometer) führen zu dieser Verzögerung. Die Lose wurden nun jeweils in Planung und Ausführung aufgeteilt, um das Verfahren zu beschleunigen. Erst wenn alle Firmen an Bord seien, könne man neue Zeitpläne erstellen und verbindliche Termine nennen, sagten die DB InfraGO-Vertreter. Besonders die letzte Bauphase der Oberleitungen wolle man kompakter gestalten: Für diesen großen Eingriff brauche man alle Firmen gleichzeitig vor Ort. Stefan Gleißner von der DB InfraGO erläuterte: „Eine besondere Herausforderung sind die Tunnel mit direkt anschließenden Brücken über die Kyll. Bei einem gleichzeitigen Bau von Brücken und Tunneln können keine Arbeitsfahrzeuge in die Tunnel gelangen, da die vorgelagerten Brücken dann nicht zur Verfügung stehen würden. Diese Kombination aus Oberleitungsneubau, Tunnelausbau und Brückenmaßnahmen ist auch bislang bei keiner Generalsanierung umgesetzt oder so geplant worden. Sie lässt sich nicht in einem Schritt umsetzen, sondern muss aufeinander folgend umgesetzt werden.“
Schienenersatzverkehr
Am 31. März 2025 ist der Verkehr wieder zwischen Trier und Bitburg-Erdorf mit dem neuen ESTW aufgenommen worden. Lediglich Auw an der Kyll kann erst wenige Tage später für Ein- und Ausstiege bedient werden.
In den gesperrten Streckenabschnitten ist ein Ersatzangebot mit Bussen im Einsatz:
- Vom 31.03.2025 bis zum 13.06.2025 wird der Streckenabschnitt Trier-Ehrang – Bitburg-Erdorf, an Montagen bis Freitagen, wieder regulär im Stundentakt von SPNV-Zügen bedient. Ergänzend verkehren zwei Verstärkerfahrten im Schüler-/Pendlerverkehr sowie drei Fahrtenpaare des Express-Autobahn-SEV zwischen Trier und Euskirchen mit Zwischenhalt in Hillesheim, Kölner Straße. Sobald die Sperrung der L26 im Bereich Hillesheim beginnt, wird auf einen anderen SEV-Halt im Gebiet des Vulkaneifelkreises umgeplant und dieser rechtzeitig bekannt gegeben.
- Zwischen Gerolstein und Jünkerath wird der SEV auf einen 20-Minuten-Takt verdichtet. Ergänzt wird das Angebot durch die unabhängig vom SEV im Stundentakt verkehrende RegioBus-Linie 530 zwischen Gerolstein und Hillesheim.
- An Wochenenden gilt weiterhin ein SEV auf der gesamten Strecke in RLP. Ein ergänzender Express-SEV zwischen Trier und Gerolstein ist in Planung und wird bald bekannt gegeben.
- Von Mitte Juni bis September 2025 folgt eine erneute Phase des Schienenersatzverkehrs im Streckenabschnitt Gerolstein – Trier.
- Zwischen Gerolstein und Köln soll die Strecke ab Mitte Juni 2025 für mehrere Monate, erstmals nach der Flut, wieder durchgehend befahrbar sein. Hier wird der RE 22 im Stundentakt verkehren.
- Ab Oktober 2025 soll die durchgehende Befahrbarkeit des Abschnitts Gerolstein – Trier, ebenfalls für einige Monate, folgen.
- Neu ab dem Fahrplanjahr 2026 (ab Dezember 2025) sind an Montagen bis Freitagen dreimal täglich ein schnelles RE12-Zugpaar zwischen Gerolstein und Köln sowie zusätzliche Verdichterfahrten der RB 24 zwischen Kall und Köln.
- Auch die Schüler-Verdichterfahrten zwischen Gerolstein und Jünkerath kehren im Dezember 2025 mit vier Zugpaaren auf die Schiene zurück.
- Weiterhin werden nächtliche Sperrpausen für ergänzende Bauarbeiten benötigt. In dieser Zeit (ca. 22-05 Uhr) verkehrt der Schienenersatzverkehr.
- Für mögliche Güterverkehrskunden und auch für die Vulkaneifelbahn hat die DB ein Logistikkonzept erarbeitet, das die Versorgung der Güterverkehrskunden sicherstellt. Insbesondere Gerolstein ist immer aus mindestens einer Richtung anfahrbar.
Die Teilnehmenden beklagten den mitunter miserablen Zustand der eingesetzten Busse. Der SPNV-Nord versprach, angesichts der Verlängerung des Schienenersatzverkehrs Möglichkeiten der qualitativen Verbesserungen der Fahrzeugflotte zu prüfen.
Kommunikation der DB
Die Vertreter der Gemeinden mahnten vor allem eine schnellere und ehrliche Kommunikation an. Die DB InfraGO versprach eine Verbesserung und kündigte an, die Kommunen zukünftig kontinuierlicher und genauer über den Stand der Bauarbeiten zu informieren.
Für die Stakeholder der Eifelstrecke stehen mit dem Leiter Korridor Koblenz-Trier, Eifelstrecke, Ulf-Björn Wienke und Annegret Scheffler, Referentin Kommunikation, Projekte Korridor Koblenz-Trier zwei Ansprechpartner zur Verfügung. Sie sind unter der Mail-Adresse eifel-strecke@deutschebahn.com zu erreichen.
Die Webseite www.eifel-strecke.de ist mittlerweile wieder auf dem aktuellsten Stand: Hier findet man Antworten auf häufige Fragen, die Baumaßnahmen im Überblick, die Ansprechpartner für Kommunikation und Projektleitung sowie Unterlagen bisheriger Info-Termine. Zudem kann man sich auch für einen Newsletter anmelden, der über wichtige Projektfortschritte und intensive Bauphasen informiert.
Vor Ort wird es weitere Info-Veranstaltungen geben, wie für Bürger*innen am 2. April 2025 in der Stadthalle Gerolstein oder in der Verbandsgemeinde Speicher am 28. Mai 2025.